Im Bannkreis der Abtei Tholey

Eine Zeittafel zur Geschichte des Dorfes Alsweiler

 

Von Klaus Brill  

   

Die Geschichte Alsweilers ist wie die Geschichte der meisten Dörfer in Europa nur sehr lückenhaft überliefert. Über wesentliche Ereignisse, zum Beispiel die Gründung des Ortes vor über 1200 Jahren oder seine weitgehende Zerstör­ung im Dreißigjährigen Krieg, gibt es keine präzisen Nachrichten. Die längste Zeit seiner Existenz war der Ort von der Landwirtschaft geprägt, seine Bewohner waren überwiegend abhängige Bauern oder Tagelöhner, seit etwa 1850 in größerer Zahl auch Bergleute und Arbeiter. Die Frauen waren bis in die jüngere Zeit hinein meist ebenfalls in der Landwirtschaft und im Garten tätig und besorgten den Haushalt. Heute sind sie wie die Männer oft im Dienstleistungsgewerbe, in der Verwaltung oder in der Industrie tätig und pendeln täglich zu ihren Arbeitsplätzen in Städten wie St. Wendel und Saarbrücken, sofern sie nicht Hausfrauen sind.    

Mehr als ein Jahrtausend lang war für die Bevölkerung von Alsweiler die drei Kilometer entfernte Benediktiner-Abtei in Tholey, das älteste urkundlich nachweisbare Kloster auf deutschem Boden, der wichtigste soziale Bezugspunkt ihres Lebens: zum einen als religiöses Zentrum und Sitz der Pfarrei, der sie eingegliedert waren, zum anderen als Grundherr, dem sie Abgaben und Frondienste schuldeten, im Ausgleich für die Überlassung von Äckern und Wiesen. Auch rechtlich waren sie dem Abte untertan. Über weite Strecken ist also die Geschichte des Klosters Tholey auch die Geschichte Alsweilers. 

Große Prägekraft entfaltete auch die Zugehörigkeit unserer Heimat zum römischen Imperium für ein halbes Jahrtausend. Ebenso lange war das Schaumberger Land später der nördlichste Teil des Herzogtums Lothringen, das damals dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation angehörte und erst 1766 endgültig zu Frankreich kam. Die geografische Lage im Kraft- und Spannungsfeld zwischen Deutschland und Frankreich bestimmte das historische Schicksal der Saar-Region auch in den vergangenen zwei Jahrhunderten. 

Wie seine Nachbardörfer war Alsweiler jahrhundertelang eine eigene Gemeinde, seit 1805 auch selbständige Pfarrei. 1974 wurde es bei einer kommunalen Gebietsreform mit Marpingen, Urexweiler und Berschweiler zur neuen Großgemeinde Marpingen im saarländischen Landkreis St. Wendel zusammengelegt. Auch kirchlich wird der Ort seit dem Jahr 2000 wegen Priestermangels von Marpingen aus mitbetreut. Heute hat Alsweiler knapp 2000 Einwohner, die nach wie vor zu mehr als 90 Prozent katholisch sind. Seine Gemarkung umfasst eine Fläche von 9,24 Quadratkilometern und grenzt an Marpingen, Winterbach, Bliesen, Oberthal, Gronig und Tholey.

Im Mittelalter lagen auf  dem Gebiet von Alsweiler zwei weitere Orte, die aber wüst gefallen sind und nie wieder aufgebaut wurden: Gellingen, gegenüber dem Zusammenfluss von Langwies- und Bruchelsbach zum Alsbach an der Straße Marpingen-Winterbach, und Merschbach oder Mörsbach, im Tal des Merschbaches. Die Mundart der Bewohner Alsweilers gehört in die Familie der moselfränkischen Dialekte und ist im Verblassen begriffen. 

 

 

Altertum: Kelten und Römer

 

100 v. C.   Im Wareswald existiert spätestens ab etwa 100 bis 80 vor Christus eine Siedlung von Kelten (so ihr griechischer Name, die Römer nennen sie Gallier). Sie wohnen in Fachwerkhäusern und ernähren sich durch Landwirtschaft und Jagd. Unter ihnen sind aber auch Handwerker, zum Beispiel Schmiede. In primitiven Öfen schmelzen sie Eisenschlacken, die sie vermutlich in den Erzkaulen im Weiherwald abbauen. Eine keltische Siedlung befindet sich auch am Alsbach, wo heute Marpingen liegt. 

 

58 v. C.   Der Feldherr Gaius Julius Caesar erobert von 58 bis 51 vor Christus ganz Gallien und gliedert es in das Reich der Römer ein. Dies trifft auch den keltischen Stamm der Treverer, der seinen Mittelpunkt im Raum Trier hat und auf dem Dolberg bei Otzenhausen sowie auf dem Mommerich bei Gronig Fliehburgen unterhält. Einer ihrer Adligen ist im Fuchshübel bei Theley beerdigt. Auch in unserer Gegend leben vermutlich Treverer, weiter südlich, hinter der Linie Völklingen – Dirmingen – St. Wendel siedeln die ebenfalls keltischen Mediomatriker, deren Schwerpunkt der Raum Metz bildet.  

 

50 n. C.   Die Siedlung im Wareswald ist von den Römern übernommen worden und nach bisherigem Forschungsstand mindestens von etwa 50 bis 390 nach Christus bewohnt. Es wird daraus ein Landstädtchen (Vicus) mit römischer Bauweise: Steinhäuser mit Fußbodenheizung, Backöfen, Wandmalereien und Säulengänge. Die ortsansässigen Kelten nehmen römische Lebensweise an, es ziehen pensionierte Legionäre aus dem ganzen Römerreich zu. Der Vicus liegt an der Kreuzung der Fernstraßen Trier – Straßburg und Mainz – Metz und ist also an das gigantische Straßennetz der Römer angeschlossen. Auch auf Alsweiler Bann verläuft eine Römerstraße, vom Wareswald über den Blieserwald und die Hääd zum Weinhaus Köpfchen, im Volksmund Rainstraße (Rheinstraße? Rennstraße?) genannt. In der Umgebung des Vicus werden mehrere landwirtschaftliche Gutshöfe angelegt, so auch auf Alsweiler Bann vor dem Langwieswald und im Weiherwald. Römer siedeln auch in Tholey, wo es eine große Thermenanlage gibt.

Mittelalter: Franken und Lothringer

 

500   Germanische Stämme, voran die Franken, dringen in den Jahrzehnten vor und um 500 n. C. aus dem Raum Belgien – Holland – Niederrhein in unser Gebiet und nach Gallien vor, das später nach ihnen Frank-Reich genannt wird. Die Namen ihrer ersten Siedlungen enden oft auf -ingen, wie Marpingen. In einer zweiten Phase, etwa zwischen 600 und 800 n. C., gründen sie weitere Siedlungen, deren Namen oft auf -weiler auslauten. In dieser Zeit könnte auch Alsweiler entstanden sein, als Gehöft eines Franken, aus dem erst ein Weiler, dann ein Dorf wird. 

 

634   Ein fränkischer Adliger namens Adalgisel, auch Grimo genannt, bestätigt am 30. Dezember 634 in seinem Testament die Existenz des Ortes Tholey, wo schon eine kleine Gemeinschaft von Priestern lebt, die kirchlich dem Bischof in Trier untersteht. Es hat sich auch eine Grundherrschaft herausgebildet, mit Wiesen, Feldern, Wäldern, Gebäuden und hörigen Untertanen, die Abgaben zu leisten haben. Ob dazu ganz oder teilweise auch das heutige Gebiet von Alsweiler gehört, ist nicht bekannt, aber durchaus denkbar. Adalgisel vermacht den Gesamtbesitz zusammen mit anderen Gütern dem Bischof von Verdun. 

 

750   Um 750, vielleicht auch erst viel später, wird das Stift in Tholey von den Benediktinern übernommen. Die Abtei kann in der Folge durch Erwerb und Schenkungen ihren Besitz stetig vergrößern. Jahrhundertelang bestehen enge Verbindungen mit Verdun, von 865 an sind für etwa 100 Jahre die Äbte von Tholey gleichzeitig Bischöfe von Verdun. Alsweiler ist vermutlich vom Beginn seiner Existenz an kirchlich dem Kloster Tholey zugeordnet.

 

1200   Die Grafen von Blieskastel, Lehnsleute des Bischofs von Verdun, bewirtschaften als Vögte die Güter des Klosters Tholey und erbauen um 1200 auf dem Schaumberg die Schauenburg als Verwaltungssitz. Ihre Vogteirechte erstrecken sich auf Grundbesitz und Untertanen, auch in Alsweiler. Diese gehen später an den Grafen von Veldenz über, der seine Stammburg in Veldenz bei Bernkastel hat, aber auch auf dem Schaumberg einen Sitz nimmt. 

 

1264   Im Jahr 1264 wird in Tholey mit dem Bau einer gotischen Abteikirche begonnen, 1302 wird er beendet. 

 

1291   Nach langen Fehden, ausgelöst durch das Aussterben der Blieskasteler Grafen (Blieskasteler Erbfolgekrieg), setzt sich als Erbe des Schaumberger Landes der Herzog von Lothringen durch. Er übernimmt 1291 die Schirmvogtei über das Kloster Tholey und baut die Schaumburg zur nördlichsten lothringischen Landesfestung aus. 

 

1326   Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Balduin von Luxemburg erwirbt 1326 und 1328 Burg und Dorf St. Wendel sowie den Ort Theley und wird dort auch Landesherr. St. Wendel erhält 1332 Stadtrecht und hält Märkte ab, die auch für die Umgebung Bedeutung haben. Die Reliquien des heiligen Wendalinus werden zum Ziel großer Wallfahrten. 

 

1363   Nach den Regeln des mittelalterlichen Lehenswesens werden Güter und die damit verknüpften Rechte oder Einkünfte sowie die davon abhängigen Bauern öfters verpachtet. In Alsweiler haben laut einer Urkunde im Jahr 1363 die Grafen von Zweibrücken Untertanen. Eine wichtige Stellung als Grundherren nehmen im Laufe des Mittelalters neben der Abtei Tholey vor allem die Grafen von Bitsch ein, südlich Zweibrückens in Lothringen beheimatet, eine Nebenlinie der Zweibrücker. Sie vergeben ihre Rechte zeitweise wiederum als Lehen, so an Philipp Breder von Hohenstein. 

 

1400   Im Jahr 1400 und erneut 1408 treffen die Bewohner von Alsweiler mit der Abtei Tholey eine Vereinbarung über die Kapelle in der Ortsmitte von Alsweiler, deren Existenz damit für diese Zeit bestätigt wird. Demnach sollen die Mönche darin jeden Samstag eine Messe lesen, dafür liefern die Alsweiler jedes Jahr fünf Malter Getreide, je zur Hälfte Roggen und Hafer, sowie Eier, Käse und Hühner.

 

 

Neuzeit 

 

1519   In einer Haushaltsliste des lothringischen Amtes Schaumburg von 1519 werden aus Alsweiler 26 Männer aufgeführt, als Familienvorstände. Neun von ihnen sind Leute des Abtes, die übrigen 17 gehören sowohl der Abtei als auch den Herren von Bitsch. Zwei sind Schäfer, zwei Kuhhirten, einer der Meier, einer der Diener des Abtes, die übrigen 17 offenbar Bauern. Zum Amt Schaumburg gehören in dieser Zeit rund 45 Gemeinden, neben dem Zentralort Tholey unter anderem Alsweiler, Marpingen, Winterbach, Bliesen, Oberthal (damals Osenbach, Linden und Imweiler), Gronig, Güdesweiler, Namborn, Sotzweiler, Bergweiler, Thalexweiler (damals Exweiler) sowie weitere Orte im Bohnental, um Eppelborn, um Kastel und um Freisen-Hoppstädten. Sie alle werden gemeinsam verwaltet. Berschweiler, Urexweiler und Dirmingen gehören zum Fürstentum Nassau-Saarbrücken. 

 

1542   Herzog Anton von Lothringen lockert 1542 seine Bindungen zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, zu dem sein Land bisher gehört hat. Er schwört dem Kaiser keinen Lehnseid mehr. 

 

1569   Ein Visitationsbericht des Bistums Trier aus dem Jahre 1569 erwähnt, dass zur Pfarrei Tholey neben Tholey auch Bergweiler, Sotzweiler, St. Blasiusberg, Engscheider Hof, Schaumbergerhof, Winterbach, Wallesweilerhof und die Filialkirche Alsweiler gehören. Weiter heißt es erstmals, die Kapelle in Alsweiler sei dem heiligen Mauritius geweiht. 

 

1631   Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) bringt in ganz Deutschland, auch in Alsweiler und Umgebung, großes Leid über die Menschen. 1631 plündern schwedische Truppen das Kloster Tholey, bald danach wird auch die Burg auf dem Schaumberg völlig zerstört und nie wieder aufgebaut. 1642 werden im ganzen Amt Schaumburg nur noch 79 Untertanen gezählt, die übrigen sind vermutlich ermordet worden, an Seuchen gestorben, verhungert oder geflohen. Es gibt nur noch 25 Pferde, 46 Kühe, acht Schweine und drei Geißen. 

 

1667   In Lothringen geht der Krieg auch nach dem Friedensschluss von 1648 noch bis 1661 weiter. 1655 verwüsten französische Truppen die Abtei Tholey und ihr Archiv, 1670 fallen sie erneut ins Land ein. Zwischen 1633 und 1662 gibt es keine Verwaltung im Amt Schaumburg, 1667 lässt der Herzog von Lothringen eine Bestandsaufnahme machen. Demnach gibt es in diesem Jahr in Tholey noch drei Untertanen und eine Witwe, wobei Untertan vermutlich für Familienvorstand steht, ohne dass die Angehörigen eigens aufgeführt werden. 

Für Alsweiler werden drei Untertanen und eine Witwe genannt: der Zenner (Zehntabgaben-Eintreiber) Conne La Croy (Konrad Kreuz) sowie Michel Stoppe (Staub?), Wendel Crick (Brück?) und die Witwe von Claude Theobald. Sie sind leibeigen und schulden dem Abt von Tholey als Grundherrn Abgaben und Frondienste, wie notiert wird. Landesherr und Hochgerichtsherr für schwere Straftaten ist der Herzog von Lothringen. Er ruft Einwanderer ins Land, um die Bevölkerungsverluste auszugleichen, es kommen Menschen aus Süddeutschland, der Schweiz, aus Tirol und aus Holland. 

 

1712   Etwa im Jahr 1712 wird auf dem Hiwwel (Hügel) neben der Kirche das Hiwwelhaus erbaut. 

 

1766   Das Herzogtum Lothringen und mit ihm das Amt Schaumburg einschließlich Alsweiler kommen 1766 durch einen internationalen Gebietsschacher an Frankreich. Nach dem polnischen Erbfolgekrieg ist Lothringen 1737 dem abgesetzten polnischen König Stanislaw I. Leszczynski gegeben worden, dessen Tochter Maria mit König Louis XV. von Frankreich verheiratet und erbberechtigt ist. Herzog Franz Stephan von Lothringen, seit 1736 mit Maria Theresia verheiratet, bekam dafür das Großherzogtum Toskana, wurde Mitregent Maria Theresias in Wien und 1745 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Als Stanislaw Leszczynski, der die meiste Zeit im Schloss von Luneville residiert und mit seinen Bauten die lothringische Hauptstadt Nancy stark prägt, 1766 stirbt, tritt der Erbfall ein.

 

1770   Im Jahr 1770 wird in Alsweiler die Stückelteilung aufgehoben. Zuvor war das bewirtschaftete Land jährlich durch Los an die einzelnen Bauern vergeben worden, ab jetzt gilt die Zuteilung der Äcker und Wiesen auf Dauer. 

 

1771   Laut einer Urkunde von 1771 besuchen Kinder aus Alsweiler die Pfarrschule in Tholey, die Gemeinde muss sich deshalb an den Aufwendungen für die Lehrer beteiligen. 

 

1786   Frankreich und das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken einigen sich am 15. November 1786 auf einen Gebietstausch: ein Landstrich in der Südpfalz und im Elsass wird französisch, dafür kommt das vormals lothringische, nun seit 20 Jahren französische Oberamt Schaumburg mit seinen 6.500 Einwohnern einschließlich Alsweiler zu Pfalz-Zweibrücken. Die Übergabe erfolgt am 24. März 1787 bei einer Feier in Tholey. 

 

1788   Nach einer Bestandsaufname des neuen Amtmannes Carl Christian Moser für Herzog Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken zählt Alsweiler im Jahr 1788 insgesamt 48 Haushalte mit 266 Personen, davon 165 Kinder und 15 Personen Gesinde. Ferner gibt es 50 Pferde, 27 Stück Rindvieh, 262 Schweine, 54 Ziegen und 562 Schafe. »Alzweiler liegt eine halbe Stunde von Tholey gegen Morgen«, heißt es in einem anderen Bericht Mosers von 1791. »Der Bann ist größthenteils fruchtbar, der Boden mehr wie Tholey mit Sand vermischet. Nahe beim Dorf, gegen Tholey zu, auch anderwärts, wird Walker-Erde gegraben.« Zu dieser Zeit gibt es in Alsweiler einen Rothgerber, einen Schuhmacher, einen Wagner, einen Steinmetz, zwei Schneider und drei Schmiede. 

 

1793   Vier Jahre nach dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 führt die französische Revolution auch an der Saar zum Umsturz und zum Ende der Feudalherrschaft. Das Oberamt Schaumburg wird auf Beschluss des Konvents in Paris vom 14. Februar 1793 dem revolutionären Frankreich angeschlossen. Einen Antrag dieses Inhalts hatten Delegierte verschiedener Orte am 12. Januar 1793 in einem Tholeyer Wirtshaus beraten, allerdings sollen die Abgesandten aus Alsweiler, Marpingen und Bliesen ihre Zustimmung verweigert haben, wie der Amtmann Moser berichtet.

Am 9. August 1793 besetzen französische Revolutionssoldaten, unterstützt von bewaffneten Männern aus Tholey, Sotzweiler, Bettingen (heute Schmelz) und Thalexweiler, das Kloster Tholey und plündern es. Die Bibliothek und das Archiv mit den Urkunden über die verhassten Abgaben und Frondienste werden größtenteils auf den Marktplatz geschleppt und verbrannt. Soldaten werfen die Glocken vom Turm, sodass sie im Kreuzgarten zerspringen, und reißen die Pfeifen aus der Orgel. Berichte aus dem Jahr 1793, wonach französische Soldaten, die bei diesen Auseinandersetzungen umkommen, auf Alsweiler Bann beerdigt werden, bedürfen der Überprüfung. 

 

1794   Am 7. Juli 1794 ergreifen die Tholeyer Mönche endgültig die Flucht. Die Abtei wird wie alle Kirchengüter in Frankreich aufgehoben und enteignet und 1798 in Metz von einem Goldschmiedegesellen aus Straßburg ersteigert. 1804 kaufen Tholeyer Bürger es zurück. Benediktinermönche kommen erst 1950, nach 156 Jahren, zurück. 

 

1795   Die Pfarrei Tholey, zu der Alsweiler noch immer gehört, wird 1795 erstmals in der Geschichte vom Bistum Trier abgetrennt und dem Bistum Metz zugeordnet. In einem Dekret vom 19. April 1795 werden auch die politischen Verhältnisse neu geordnet, dabei wird Alsweiler ebenso wie seine Nachbarorte eine Mairie, also selbständige Gemeinde mit einem Maire (Bürgermeister) im Canton Tholey, Arrondissement Thionville, Departement de la Moselle (Hauptort Metz). Die Bewohner des Ortes genießen nun die Errungenschaften der Revolution: Leibeigenschaft, Frondienste und Zunftzwang sind abgeschafft, es werden persönliche Bewegungsfreiheit, Gewerbefreiheit und unabhängige Gerichte eingeführt. Als 1799 der General Napoleon Bonaparte die Macht ergreift, müssen auch die alten Schaumburger für ihn in den Krieg ziehen und immense Steuern zahlen, sogar auf Fenster und Türen. 

 

1800   Am 27. Juli 1800 wird Alsweiler von einer Tholeyer Pfarrfiliale zur eigenen Vikarie, erster Seelsorger wird Johann Peter Weißmüller (1768–1823), zuvor Kaplan in St. Wendel. Die neue Zuordnung zum Bistum Metz wird in einem am 8. April 1802 in Kraft getretenen Konkordat zwischen dem Papst und der französischen Regierung bestätigt. 

Alsweiler bekommt 1800 auch erstmals eine eigene Schule, erster Lehrer wird Jakob Keller aus Freisen, der die Kinder zunächst in seinem Haus in der Gass Nr. 6 unterrichtet. Die Knaben lernen lesen und schreiben, die Mädchen nur lesen. 

 

1803   Die Kapelle in der Ortsmitte wird 1803 bis auf den Turm abgebrochen, man baut ein neues Langhaus für 272 Kirchenbesucher an. 

 

1805   Am 1. Juli 1805 wird Alsweiler vom Bischof in Metz zur selbständigen Pfarrei erhoben, zu der auch Winterbach und Wallesweilerhof gehören. Erster Pfarrer wird Vikar Weißmüller. Hinter dem Kirchhof, gleich neben der Kirche, wird ein Pfarrhaus errichtet. 

 

1815   Nach der Niederlage Napoleons gegen Preußen, Österreicher, Engländer, Schweden und Russen kommen die früher deutschen Gebiete links des Rheins wieder zu Deutschland. Die Pfalz einschließlich Homburg und Umgebung wird bayerisch, der Saar-Raum preußisch. Als Entschädigung für Militärhilfe in den Befreiungskriegen tritt Preußen den Raum St. Wendel – Baumholder – Grumbach an Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Saalfeld ab, der daraus 1816 ein eigenes Ländchen mit der Hauptstadt St. Wendel bildet. Es nennt sich ab 1819 Fürstentum Lichtenberg. 

Alsweiler gehört dazu und wird Grenzort: Am Zollstock auf der Höhe vor Tholey verläuft die Staatsgrenze zwischen Lichtenberg und Preußen, zu dem auch Tholey, Sotzweiler und Theley gehören. Marpingen, Winterbach, Bliesen, Oberthal und Gronig gehören wie Alsweiler zu Lichtenberg. Alsweiler orientiert sich jetzt von Tholey auf St. Wendel um. 

 

1819   Auf Verlangen der Coburgischen Regierung in St. Wendel wird 1819 in Alsweiler das erste Schulhaus errichtet, am Mühlenweg, gegenüber der Kirche. An der neugebauten Straße nach Winterbach und St. Wendel (die alte war der Wennelschder Weg, heute Wendalinusstraße) wird ein neuer Friedhof angelegt, das bisherige Gräberfeld an der Kirche kann nicht erweitert werden. Alsweiler hat zu dieser Zeit 485 Einwohner, die in 74 Häusern leben. 

 

1825   Alsweiler wird 1825 wie die Nachbarorte Marpingen, Bliesen und Oberthal als Pfarrei wieder dem Bistum Trier zugeteilt. 

 

1829   Die Pfarrkirche in Alsweiler ist abermals zu klein, mit der Grundsteinlegung am 15. Mai 1829 wird wiederum ein Neubau begonnen, diesmal für rund 500 Personen. Es kommt zu Unregelmäßigkeiten, zeitweise droht der Einsturz, die Bauarbeiten werden vorübergehend von den Coburgischen Behörden in St. Wendel eingestellt. Am 11. Oktober 1831 wird die neue Kirche feierlich eingesegnet, Patron bleibt der heilige Mauritius. 

 Herzog Ernst wird nach politischen Unruhen in St. Wendel seines Fürstentums Lichtenberg überdrüssig und tritt es am 31. Mai 1834 gegen eine Abfindung von 2,1 Millionen Talern wieder an Preußen ab. Die königlich-preußische Regierung bildet daraus 1835 den neuen Landkreis St. Wendel im Regierungsbezirk Trier der preußi-schen Rheinprovinz. Der neue Kreis wird unterteilt in acht Bürgermeistereien, eine davon ist die Bürgermeisterei Alsweiler mit Sitz in St. Wendel. Zu ihr gehören Alsweiler, Marpingen, Urexweiler, Winterbach, Bliesen, Oberthal, Gronig und Güdesweiler.

 

1840   In den Jahren um 1840 wandern etliche Familien aus Alsweiler aus, vornehmlich nach Nordamerika.

 

1860   Auf der Strecke St. Wendel – Tholey wird 1860 zum ersten Mal ein Personen-Postwagen mit Pferdekraft eingesetzt. Er stellt eine Verbindung her zu der am 26. Mai 1860 eröffneten Rhein-Nahe-Bahn zwischen Neunkirchen und Kreuznach, deren Züge auch im neuen Bahnhof St. Wendel halten. 

 

1864   Alsweiler Bergarbeiter gründen am 26. Dezember 1864 eine Ortsgruppe der St. Barbara-Bruderschaft. Gleichzeitig wird ein Knappenverein ins Leben gerufen, der sich um die sozialen Belange kümmert und eine Sterbekasse aufbaut. Erster Vorsitzender beider Vereine wird Pfarrer Konrad Schneider. 

Immer mehr Männer aus Alsweiler arbeiten inzwischen als Berg- und Hüttenarbeiter im Saar-Industrierevier, das von der preußischen Regierung zügig ausgebaut wird. In einer Steuerliste des Jahres 1864 werden für Alsweiler 31 Bergleute aufgeführt, von denen neun auch noch Landwirtschaft betreiben. Oft sind sie nur am Wochenende zu Hause, den Weg zur Arbeit legen sie zu Fuß zurück, weshalb sie Hartfüßler genannt werden. Während der Woche leben sie in Schlafhäusern. 

 

1876   Am 3. Juli 1876 und den folgenden Tagen berichten drei achtjährige Mädchen aus Marpingen von Marienerscheinungen im Härtelwald. Der Fall erregt großes Aufsehen, Marpingen wird als deutsches Lourdes bekannt. Im aufgeheizten Klima des preußischen Kulturkampfes wird daraus eine Staatsaffäre, angeblich gibt es Wunderheilungen, Gläubige strömen in Massen herbei. Die Regierung setzt Militär ein, es kommt zu Verhören und einem Sensationsprozess.  

Die Pfarrer von Marpingen und Alsweiler werden am 27. und 30. Oktober 1876 abgeführt und bis 1. Dezember in Saarbrücken inhaftiert. Das jüngste und aufgeweckteste der drei Mädchen, Margaretha Kunz, ist am 7. Mai 1868 in der Mühle von Alsweiler geboren. Da ihr Vater Jakob Kunz, der Müller, fünf Monate zuvor beim Eishacken auf dem Mühlrad tödlich verunglückt war, zog die Familie nach Marpingen zu Verwandten. 

 

1880   Im Jahr 1880 wird der Männergesangverein Alsweiler gegründet, erster Dirigent wird der Hauptlehrer Mathias Josef Klaus, der auch Küster und Organist ist. Zwischen 1880 und 1883 wandern wieder mehrere Familien aus Alsweiler aus, diesmal nach Brasilien.

In den Jahren 1886 und 1887 wird »im Egge« ein zweites Schulhaus erbaut, an der Straße nach Tholey.

 

1890   Das Jahr 1890 gilt als Gründungsdatum des Kirchenchores St. Mauritius, allerdings hat es nachweislich schon 1875 in Alsweiler eine kirchliche Sängergruppe gegeben. 

 

1894   Am 20. Dezember 1894 wird der Bürgerunterstützungsverein Alsweiler gegründet, eine Art Versicherung, die von ihren Mitgliedern geringe Beiträge erhebt und dafür beim Tod eine Prämie an die Hinterbliebenen zahlt. Die Organisation wird zum größten Verein in Alsweiler, beim 100-jährigen Jubiläum 1994 zählt sie 1.200 Mitglie-der. Seit 1966 nennt sie sich Bürgersterbeverein. 

 

1896   In Alsweiler wird 1896 eine Spar- und Darlehensgenossenschaft als finanzielle Selbsthilfeorganisation der Arbeiter und Bauern gegründet. Im selben Jahr bildet sich der Bienenverein Alsweiler, der sich später Bienenzuchtverein, heute Imkerverein nennt. 

 

1907   Ein Dokument vom 21. Juni 1907 bestätigt die Gründung des Schützenvereins Tell Alsweiler, erster Schützenmeister ist Wendel Theobald.

 

1912   Als eine der ersten Gemeinden der Saarregion wird Alsweiler vom Herbst 1912 an mit Elektrizität versorgt. Den Strom erzeugt in seiner Mühle der Müller Johann Trapp.

 

1914   Am 28. Juli 1914 bricht nach dem Attentat von Sarajewo der Erste Weltkrieg aus, am Abend des 1. August werden in Alsweiler mit der Ortsschelle der Kriegseintritt Deutschlands und die Mobilmachung verkündet. Die Menschen versammeln sich auf der Straße. Am anderen Tag gehen viele junge Männer zur Messe und ziehen danach in den Krieg, wie der Lehrer Thiel in seinem Tagebuch festhält. Aus Alsweiler nehmen zahlreiche Männer am Krieg teil, 36 von ihnen werden getötet, sechs bleiben vermisst. Die meisten Bergleute werden während der Kriegsjahre 1914–18 in der Grube gebraucht und bleiben vom Militärdienst verschont. 1917 werden zwei Glocken der Pfarrkirche abgehängt und eingeschmolzen. Bei Kriegsende im Oktober 1918 werden deutsche Truppen auf dem Rückzug in Alsweiler Privathäusern einquartiert, am 2. Dezember 1918 marschieren französische Besatzungstruppen ein. 

 

1915   Am 1. Oktober 1915 wird mitten im Krieg die Eisenbahnstrecke Tholey – St. Wendel eröffnet, mit dem Bau war 1912 begonnen worden. Viele Arbeiter aus Alsweiler laufen von jetzt an täglich durch den Langwieswald zum Bahnhof Tholey und fahren von dort mit dem Zug zur Arbeit ins Industrierevier. 

 

1919         Nach der deutschen Kapitulation und dem Ende des Ersten Weltkriegs trennt eine internationale Konferenz in Versailles 1919 das Saargebiet von Deutschland ab, als Entschädigung für deutsche Kriegsverwüstungen in nordfranzösischen Kohlengruben, und unterstellt es für 15 Jahre dem Völkerbund, dem Vorläufer der Vereinten Nationen. Der Vertrag tritt am 10. Januar 1920 in Kraft, 1922 wird der französische Franc Zahlungsmittel.

                     

1922   Die Pfarrgemeinde Alsweiler lässt an der linken Seite des Kirchturms eine Skulptur des leidenden Christus zum Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges anbringen. Das Kriegerdenkmal wird am 14. Mai 1922 eingeweiht, in eine Tafel werden 32 Namen eingemeißelt. Ebenfalls 1922 wird der Theaterverein Alsweiler gegründet, der sich heute Theater- und Karnevalsverein nennt.

 

1923   Am 1. September 1923 wird eine Omnibusverbindung Marpingen – St. Wendel eingerichtet, die Busse halten auch in Alsweiler. 

 

1924   Im Jahr 1924 wird im Gasthaus Neis der Sportclub »Adler« Alsweiler gegründet, zunächst ein reiner Fußballverein, seit 1967 mit einer Abteilung Frauen-Handball, weitere Sparten kamen hinzu. Der Gründungsvorsitzende ist Oskar Schmidt. Man spielt anfangs auf verschiedenen Wiesen, zu Auswärtsspielen marschiert man zu Fuß.   

 

1925   Am 22. März 1925 befürwortet eine Bürgerversammlung im Gasthaus Trapp einstimmig die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Alsweiler, die binnen zehn Jahren 50 Mitglieder gewinnt. Zuvor hatte es eine Pflichtfeuerwehr gegeben, der alle Männer von 18 bis 50 angehörten, ohne dass sie richtig ausgebildet waren. 

 

1927   Am 18. November 1927 wird in Alsweiler eine zentrale Wasserversorgung in Betrieb genommen, die aus dem Gebiet der Wurzelbach bei Winterbach gespeist wird. Die Dorfbrunnen in der Gass’, bei Trapps Wirtschaft, am Heckenborn und am Höhborn haben ausgedient. Mehrfach war es zuvor zu Typhus-Epidemien gekommen, besonders stark noch 1923. Der Kreisarzt führte sie auf mangelnde Hygiene an den Dorfbrunnen zurück. 1925 hatte man mit Marpingen, Urexweiler, Winterbach und Bliesen den Wasserzweckverband Alsweiler gegründet. 

Das Jahr 1927 gilt auch als offizielles Gründungsjahr des Musikvereins Harmonie Alsweiler e.V., obwohl bereits zuvor eine Kapelle aktiv war. Sie ist für 1914 nachgewiesen.  

 

1928   Die örtliche Stromversorgung wird 1928 ganz von der Saarland-Lothringen-Elektrizitäts AG in Saarbrücken übernommen, nachdem 1920 das Projekt des Müllers Trapp und danach auch ein gemeindeeigenes Strom-Unternehmen sich als unzulänglich erwiesen. Das Maschinenhaus des gemeindlichen Elektrizitätswerks in der Dorfmitte wird auf Beschluss des Gemeinderats vom 25. September 1928 in ein Feuerwehrgerätehaus umgebaut, das als so genanntes Spritzenhaus bis 1971 besteht. 

Ebenfalls 1928 wird in Alsweiler ein Kleintierzuchtverein gegründet, der nach dem Zweiten Weltkrieg in zwei Vereine übergeht: 1952 bildet sich der Geflügelzuchtverein mit dem ersten Vorsitzenden Nikolaus Schmidt, 1963 der Kaninchenzuchtverein unter ......  

 

1930   Im Jahr 1930 wird die Dorfstraße von Alsweiler gepflastert und mit Bürgersteigen versehen, zuvor war sie geschottert und sehr staubig. 1931 wird erstmals die Provinzialstraße nach Tholey geteert, 1932 auch die nach Winterbach. 1930 ist auch das Gründungsjahr des katholischen Frauen- und Müttervereins Alsweiler, der sich heute Katholische Frauengemeinschaft Alsweiler nennt und mit 470 Mitgliedern einer der größten Vereine des Ortes ist. Auf dem Schaumberg wird  im selben Jahr eine Kriegergedächtniskapelle in Form eines Aussichtsturms mit fünf Plattformen errichtet. 

 

1934   Im Jahr 1934 hat Alsweiler, wie die Schulchronik vermeldet, rund 1.700 Einwohner, die in 283 Häusern leben und sich in 35 Vereinen zusammengeschlossen haben. Es gibt zwölf Kolonialwarengeschäfte, 15 Flaschenbierhandlungen, vier Gaststätten und noch ein gutes Dutzend reiner Landwirtschaftsbetriebe. Außerdem arbeiten im Ort vier Bäcker, vier Schreiner, zwei Stellmacher, zwei Schmiede, ein Metzger, ein Müller, zwei Anstreicher, zwei Schuster, zwei Schneider, zwei Gärtner und ein Bauunternehmer. Für die öffentliche Ordnung sorgen ein Ortspolizeidiener, ein Feldhüter und ein Landjäger.

 

1935   Bei der Volksabstimmung über die Zukunft des Saargebietes am 13. Januar 1935 entscheiden sich 90,8 Prozent der Saarländer für die Rückkehr zum Deutschen Reich, wo inzwischen Adolf Hitler regiert, nur 4,4 Prozent wollen den Anschluss an Frankreich, und 8,8 Prozent befürworten den Status quo, das Völkerbund-Regime als Übergangslösung. Die Bürger Alsweilers stimmen wie die der anderen Gemeinden der Bürgermeisterei Alsweiler in der Obertreisschule in St. Wendel ab, wohin man sie kostenlos mit Pkw und Bus befördert. In der Bürgermeisterei Alsweiler werden von 9.202 gültigen Stimmen 8.856 (96,2 Prozent) für die Rückkehr zu Deutschland abgegeben, elf (0,1 Prozent) für den Anschluss an Frankreich und 355 (3,7 Prozent) für den Status quo. Aus Freude über das Ergebnis wird am 15. Januar in Alsweiler ein Fackelzug veranstaltet.

Am 1. März 1935 wird die Rückgliederung vollzogen, auch in Alsweiler übernehmen danach die Nazis die Macht. In der Folge werden verschiedene Straßen nach NSDAP-Führern benannt, so heißt die Dorfstraße Adolf-Hitler-Straße, die Hübelstraße Hermann-Göring-Straße. Die katholischen Vereine werden verboten, alle Parteien außer der NSDAP werden ebenfalls aufgelöst oder lösen sich auf, es gibt keine freien Wahlen mehr. 

 

1939   Mit dem Überfall auf Polen beginnt Hitler am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg, der 126 Menschen aus und in Alsweiler das Leben kostet, unter ihnen neun Zivilisten. Schätzungsweise 500 Männer aus dem Ort werden zur deutschen Wehrmacht eingezogen und nehmen am Krieg teil, 117 von ihnen kehren nicht zurück, von ihnen werden 79 als gefallen, die übrigen 38 als vermisst gemeldet. Die meisten von ihnen, 65, bleiben in der Sowjetunion. 1942 werden wieder zwei Glocken abgehängt und eingeschmolzen. 

 

1944   Zum Schutz vor Luftangriffen werden 1944 in Alsweiler Luftschutzstollen angelegt, so am Heckenborn, in Dicke Hohl, am Rechelsberg, an Scheid’s Berg und am Bohnehiwwel. Schwere Bombenangriffe treffen St. Wendel, es gibt viele Opfer, darunter aus Alsweiler Irmgard Geßner (21), Martha Grim (22) und Johann Pirrung. In der Schule »Im Egge« werden im Herbst 1944 eine Feldbäckerei und eine Feldküche für deutsche Soldaten eingerichtet, der Unterricht fällt aus.

 

1945   Am 18. März 1945, einem Sonntag, ist für Alsweiler der Krieg zu Ende, gegen 13 Uhr marschieren, aus Tholey kommend, amerikanische Truppen ein. Die meisten Bewohner haben weiße Tücher aus den Fenstern gehängt, alle Häuser werden durchsucht. Vor seinem Haus in der Ortsmitte kommt durch einen Bombentreffer der 73-jährige Jakob Kreuz ums Leben, das Stall- und Scheunengebäude des Nachbarn Richard Trapp wird zerstört. Der junge Metzger Otto Hartmann verliert durch einen Bombensplitter ein Auge. 

Zuvor haben deutsche Soldaten auf dem Rückzug in endlosen Kolonnen den Ort passiert und teilweise Quartier gemacht. Jetzt quartieren sich die Amerikaner in Alsweiler ein, etliche Familien müssen ihre Häuser verlassen. Der bisherige Bürgermeister Peter Brill wird abgesetzt, sein Haus in Brand geschossen. 

Am 10. Juli 1945 lösen französische Verbände die amerikanischen Besatzer ab, am 29. Juli übernimmt eine französische Militärregierung die Verwaltung des Saarlandes. Die Menschen leiden Not, Lebensmittel sind rationiert, man schlachtet schwarz.   

1946   Auf Drängen Frankreichs wird das Saarland unter französische Verwaltung gestellt und erhält einen Sonderstatus. Abermals wird es von Deutschland abgetrennt, am 22. Dezember 1946 werden die Grenzen zu Deutschland geschlossen. Es beginnt ein jahrelanger lebhafter Schmuggel von Waren über die Grenzen. 

Demokratischer Neubeginn mit der Kommunalwahl ist am 15. September 1946. In Alsweiler entfallen von 923 gültigen Stimmen 45,9 Prozent auf eine Freie Liste und 54 Prozent auf die neugegründete Christliche Volkspartei (CVP), deren Vorsitzender der Journalist und christlich-konservative Hitler-Gegner Johannes Hoffmann ist, der in der Nazizeit nach Brasilien emigiert war. Seine Vorfahren stammen aus Alsweiler, sein Vater Jakob, ein Bergmann und Knappschaftsältester, war dort am 19. September 1859 geboren und als Kind nach Landsweiler-Reden gekommen.

 

1947   Nach seinem Wahlsieg bei der Landtagswahl am 5. Oktober 1947 wird Johannes Hoffmann (»JoHo«) Ministerpräsident des Saarlandes, das nun unter französischem Schirm eine Art Zwei-Drittel-Staat mit eigener Hymne und Fahne, eigener Fußball-Nationalmannschaft und eigenen Briefmarken wird. Man zahlt mit Francs. In Alsweiler erhält Hoffmanns CVP bei dieser Landtagswahl 804 von 953 gültigen Stimmen, also 84,4 Prozent. 

 

1949   Im Jahr 1949 wird der Karnevalsverein Alsweiler gegründet, der 1968 mit dem Theaterverein zum Theater- und Karnevalsverein fusioniert. Erster gemeinsamer Vorsitzender ist Alfons Kuhn. 

 

1950   Zum ersten Mal seit 156 Jahren, seit der Flucht der Mönche in der Französischen Revolution, ziehen am 23. April 1950, in der Osterwoche, wieder Benediktiner in die Abtei St. Mauritius in Tholey ein, die zuvor am 8. Dezember 1949 durch Dekret des Vatikans wieder eröffnet worden ist. Mönche des Klosters St. Matthias in Trier mit Abt Petrus Borne an der Spitze nehmen die monastische Tradition wieder auf. 1952 gründet Pater Maurus Sabel einen Knabenchor, der die Messen mitgestaltet und mit Konzerten bekannt wird. In ihm singen bis zur Auflösung 1977 auch viele Sängerknaben aus Alsweiler mit. In den Jahren 1950/51/52 werden ans Langhaus der Pfarrkiche Alsweiler zwei Seitenschiffe angebaut. Der Mühlenweg wird abermals in Richtung Hiwwelhaus verlegt.

 

1952   Am Kirmessonntag des Jahres 1952 wird mit einem Meisterschaftsspiel der »Eintracht« Alsweiler gegen den 1. FC St. Wendel (2:2) der neue Sportplatz auf der Lehn eingeweiht, den der Sportverein seit 1950 auf einem von der Gemeinde bereitgestellten Gelände angelegt hat. Zuvor hatte man auf kleinerem Gelände am Rudert-Wald gespielt.

 

1955   Bei einer Volksabstimmung am 23. Oktober 1955 lehnen die Saarländer mit 67,7 gegen 32,3 Prozent ein von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Premierminister Pierre Mendes-France ausgehandeltes, von Johannes Hoffmann unterstütztes Saar-Statut ab, wonach das Saarland unter dem Schirm der West-Europäischen Union die Kernzelle eines neuen supranationalen Europa werden soll. In Alsweiler stimmen 661 Personen mit Nein, 543 mit Ja – das Stimmverhältnis 54,9 zu 45,0 Prozent weicht vom Landesdurchschnitt ab, die JoHo-Anhänger sind hier relativ stark.    

Dem Referendum gehen turbulente Auseinandersetzungen voraus. Die prodeutschen Parteien CDU, DSP (später SPD) und DPS (späer in der FDP aufgegangen) waren seit 1952 verboten und arbeiteten illegal. Hoffmanns CVP und die mit ihr verbündete Sozialdemokratische Partei Saar (SPS) regieren mit harter Hand, es kommt zu brutalen Polizeieinsätzen und Schlägereien. 

Anfang 1955 gründet sich im Untergrund ein Ortsverband Alsweiler der CDU, der sich nach der Abstimmung dann am 9. Dezember 1955 offiziell konstituiert. Erster Vorsitzender wird ....

Im selben Jahr wird in Tholey ein Hundesportverein gegründet, der nach wenigen Jahren auch Züchter aus Alsweiler aufnimmt und sich fortan Hundesportverein Tholey-Alsweiler nennt.

 

1957   Am 1. Januar 1957 kehrt das Saarland nach Deutschland zurück und wird elftes Bundesland der Bundesrepublik. An die Regierung kommen nun die so genannten Heimatbund-Parteien CDU, SPD und DPS, von 1956 bis 1985 stellt die CDU den Ministerpräsidenten. Am 6. Juli 1959, dem Tag X, folgt die wirtschaftliche Rückgliederung mit Einführung der D-Mark. 

In der Pfarrkirche Alsweiler wird vom 14. bis 26. Januar 1957 an der Rückwand des Chorraums ein Mosaik angebracht, das die heilige Dreifaltigkeit darstellt. Den Entwurf fertigt der Künstler Ferdinand Selgrad aus Elversberg, die Ausführung besorgt Villeroy & Boch. Auch zwei Fenster im Altarraum werden neu gestaltet. 

 

1959   Im Gasthaus Neis wird am 12. April 1959 der Mandolinenverein Alsweiler gegründet. Erster Vorsitzender wird Adolf Hoffmann, der das Amt bis zu seinem Tod ausübt. Einen Mandolinen- und Wanderverein hatte es bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegeben. Im selben Jahr wird Auf den Birken ein neues Bebauungsgebiet mit Platz für 30 Häuser ausgewiesen. 

 

1960   Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und im Beisein des saarländischen Ministerpräsidenten Franz Josef Röder wird am 27. November 1960 das neue Schulhaus auf der Lehn eingeweiht. Es hat acht Klassenräume und eine Turnhalle. Im April 1960 wird im Gasthaus Trapp von 18 der 26 selbständigen Handwerker in Alsweiler der Handwerkerverein St. Josef gegründet, erster Vorsitzender wird der Bäckermeister Robert Laub. 

 

1963   Im Jahr 1963 wird in Alsweiler ein Ortsverein der SPD gegründet, erster Vorsitzender wird .......    

SPD-Mitglieder hatten allerdings schon seit 1956 bei Kommunalwahlen kandidiert.

 

1964   Im Jahr 1964 wird bei der Kirche ein neues Pfarrhaus erbaut, nachdem das alte aus dem Jahr 1805 abgerissen worden ist.

 

1965   Im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils (1962–65) verkündet Bischof Matthias Wehr am 31. März 1965 die Einrichtung von Pfarrgemeinderäten, die zu zwei Dritteln gewählt werden und über gewisse Fragen der Pfarrgemeinde mitbestimmen. Die erste Wahl findet am 17. Oktober statt, erster Vorsitzender wird Karl Weber.

 

1967   Am 13. Oktober 1967 wird der vom Gemeinderat verabschiedete Bebauungsplan für die Lindensiedlung rechtskräftig. Er weist 152 Baustellen aus. In den folgenden Jahren entsteht ein neuer Ortsteil, in dem sich auch viele Auswärtige niederlassen.   

 

1969   Am 30. Dezember 1969 segnet Pastor Paul Balling den Gemeinschaftsraum des neuen katholischen Pfarrheims ein, das in zwei Jahren weitgehend von der Dorfbevölkerung erbaut worden ist. Finanziert wird es durch Spendensammlungen und Zuschüsse des Bistums Trier sowie der Gemeinde Alsweiler.

 

1972   Auf dem Friedhofsgelände wird am 30. Januar 1972 eine neue Friedhofskapelle mit Leichenraum und Toilette eingeweiht.

 

1973   Aus privaten Kontakten und Verbindungen der Handballspielerinnen ergibt sich eine internationale Partnerschaft Alsweilers mit dem lothringischen Dorf Bertrichamps bei Lunéville. Sie wird mit einer Festsitzung der beiden Gemeinderäte am 18. November 1973 im blumengeschmückten Saal des Pfarrheims in Alsweiler besiegelt. Der Musikverein spielt die Nationalhymnen beider Länder. Ebenfalls im November 1973 wird im Gasthaus Trapp der Pensionärverein Alsweiler gegründet, der Reisen organisiert und gesellige Veranstaltungen plant. Erster Vorsitzender wird Josef Klesen. 

 

1974   Nach jahrelangen Auseinandersetzungen tritt am 1. Januar 1974 im Saarland eine Gebiets- und Verwaltungsreform in Kraft, bei der Alsweiler seine Selbständigkeit verliert. Es wird mit Marpingen, Berschweiler und Urexweiler zur neuen Großgemeinde Marpingen zusammengelegt und behält nur noch einen Ortsvorsteher und einen sieben-, später elfköpfigen Ortsrat mit beschränkten Befugnissen. Mit Blick auf die Geschichte sollte das Dorf nach den Plänen einer Expertenkommission ursprünglich mit Tholey, Theley, Hasborn-Dautweiler, Sotzweiler und Bergweiler die Einheitsgemeinde Tholey bilden, dagegen regte sich jedoch heftiger Widerstand. 

Vom 4. bis 7. Mai 1972 führt der Gemeinderat in Alsweiler deshalb eine Bürgerbefragung durch, bei der sich nur 161 Bürger (12,6 Prozent) für die Tholeyer Lösung aussprechen, 1.120 (87,4 Prozent) votieren für die Variante Marpingen. Der Gemeinderat macht sich diese Position zu eigen, am Ende willigen auch Landesregierung und Landtag ein. 

Am 31. März 1974 wird beim katholischen Pfarrheim ein von der Gemeinde errichteter, von der Kirchengemeinde betreuter Kindergarten eingeweiht. Im selben Jahr wird auf dem Nachbargrundstück auch ein neues Feuerwehrgerätehaus erbaut. Am 1. Juli 1974 schließen sich im Schützenhaus am Weg nach Marpingen der TTC Alsweiler und der TTC 47 Marpingen zur Tischtennisgemeinschaft Marpingen-Alsweiler zusammen. 

 

1975   Auf Initiative des Sportvereins ist seit 1973 in der Verlängerung der Gartenstraße eine neue Sporthalle erbaut worden, die am 1975 eingeweiht wird. Die Bauarbeiten werden zu einem guten Teil von Vereinsmitgliedern erledigt und mit Spendensammlungen finanziert, den Rest übernimmt die neue Großgemeinde Marpingen.

Am 20. Februar 1975 bildet sich bei einem Treffen im katholischen Pfarrheim eine Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde, die sich die Erforschung der Ortsgeschichte zum Ziel setzt, ihr erster Leiter wird Peter Weber. Am 21. Dezember 1985 konstituiert sie sich als Verein für Heimatkunde Alsweiler e.V.  

 

1979   Am 18. Februar 1979 wird in der Caféteria der neuen Sporthalle der Tennis-Club Rot-Weiß Alsweiler e.V. gegründet, der am 2. Oktober 1982 auf dem Vereinsgelände vor dem Langwieswald eine Drei-Feld-Anlage in Betrieb nehmen kann. Erster Vorsitzender wird Herbert Ames.

Am 5. Dezember 1979 gründen acht Männer im Gasthaus Orion den Verein Lauftreff-Freunde Spiridon Alsweiler e.V., der nach einem griechischen Läufer benannt ist. Erster Vorsitzender wird Walter Kauth. 

 

1980   Am 11. Oktober 1980 gründen in der Weiheranlage »Am Höhborn« 14 Männer den Angelsportverein Alsweiler. In ihrem Vereinslokal »Hex« gründen Hobbyfußballer im selben Jahr die Hexenkicker 1980 Alsweiler. In der Grundschule formiert sich am 4. November 1980 die Naturschutzjugend, die später zur Ortsgruppe Alsweiler des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) wird.

Auf dem Schaumberg wird 1982 ein neuer, moderner Turm errichtet, der ein Symbol der deutsch-französischen Verständigung sein soll. Der 1930 errichtete Aussichtsturm war seit 1973 wegen Baufälligkeit abgerissen worden. 

 

1983   Der Ort erweitert sich abermals: Am 18. Februar 1983 wird der Bebauungsplan für die Siedlung Am Hahnenrech rechtswirksam, dort werden 33 Baustellen ausgewiesen. 

 

1989   Am 23. März 1989 gründen 27 Alsweiler Vereine und vereinsähnliche Vereinigungen bei einem Treffen im katholischen Pfarrheim die Alsweiler Vereinsgemeinschaft e.V. Sie will den Heimatgedanken sowie die dörflichen Sitten und Gebräuche fördern und die Aktivitäten der Vereine koordinieren. Erster Vorsitzender wird Anton Rauber.

 

1991   An Pfingsten 1991 findet das erste Alsweiler Dorffest statt. Es wird von der Vereinsgemeinschaft organisiert und soll alle fünf Jahre wiederholt werden. An einem Umzug durchs Dorf nehmen Mitglieder zahlreicher Vereine in Kostümen teil. Am 1. November 1991 gründen 35 Interessierte unter dem Motto »Let’s go to ski and fun« den Ski-Club Alsweiler e.V.

 

1992   Am 15. April 1992 wird der Schulverein Alsweiler gegründet, der die Erziehung der Kinder aktiv begleitet. Erster Vorsitzender wird  Alfons Kuhn. Ebenfalls Anfang 1992 bilden neun junge Mitglieder des Kirchenchores Alsweiler eine Sängergruppe, die sich der modernen Chorliteratur zuwendet, im Februar 2000 wird daraus die VielHarmonie e.V., in der auch junge Frauen und Männer aus Bliesen und Marpingen mitsingen. 

 

1997   Im Gasthaus Storze wird am 25. Juli 1997 der Computer-Club Alsweiler gegründet. Der erste Vorsitzende, Apotheker Thomas Jung, entwickelt eine Website des Ortes im Internet, die als eine der ersten deutschen Dorf-Präsentationen dieser Art im neuen Medium weithin Beachtung findet. 

 

1998   Nach vierjährigen Renovierungsarbeiten wird am 28. Juni 1998 das Hiwwelhaus feierlich seiner neuen Bestimmung als dörfliches Kulturzentrum übergeben. Am 9. Juli gründet sich der Hiwwelhaus-Verein, der die Veranstaltungen organisiert und gemeinsam mit dem Verein für Heimatkunde das historische Baudenkmal betreut. Erste Vorsitzende wird Bernadette Dewes. 

 

1999   Eine der traditionsreichsten Gaststätten in Alsweiler, das Lokal Trapp, wird am 30. Januar 1999 geschlossen, weil die Betreiberinnen Angela und Luise Trapp sich zur Ruhe setzen.

 

2001   Auf Beschluss des Landkreises St. Wendel sowie der Gemeinden Marpingen, Tholey und Oberthal beginnen am 19. Juni 2001 im Wareswald archäologische Ausgrabungen mit dem Ziel, die dort vermutete römische Siedlung in bestimmten Teilen freizulegen und zu erforschen und sie dann als touristische Attraktion zu nutzen.  

 

2002   Am 8. Juli 2002 nimmt die größte Radsportveranstaltung der Welt, die Tour de France, zum ersten Mal ihren Weg durch das Saarland. Dabei kommen die Fahrer auch durch Alsweiler, an der Hääd wird eine Bergwertung vorgenommen. Rund 50.000 Zuschauer verfolgen das Spektakel im Bereich Alsweiler, hinter der Kirche und beim Hiwwelhaus findet ein Volksfest statt.  

 

2004   Zur Jahresmitte 2004 (Stichtag 28. Juli) zählt Alsweiler 2.274 Einwohner, davon 1.143 Frauen (50,3 Prozent) und 1.131 Männer (49,7 Prozent). Von ihnen haben 49 eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit. Nach Auskunft des Ordnungsamts der Gemeinde Marpingen gibt es in Alsweiler zu diesem Zeitpunkt 806 Häuser und 842 Haushalte, fünf Gaststätten und 15 Geschäfte, im ganzen 110 angemeldete Gewerbe. 

Darunter sind mehrere Handelsvertreter, Versicherungsagenten, Unternehmensberater, Immobilienmakler, Transportbetriebe, Computer- und Internet-Spezialisten sowie je zwei Bank-Filialen, Kfz-Werkstätten, Bodenleger, Gärtnereien und Friseursalons. Ferner gibt es unter anderen eine Apotheke, ein Elektrogeschäft, eine Änderungsschneiderei, ein Gips- und Verputzgeschäft, eine Zimmerei, eine Schreinerei, je einen Betrieb für Heiz- und Sanitärtechnik sowie Metallbau, je ein Studio für Kosmetik und Fußpflege, eine Metzgerei, ein Möbelgeschäft, eine Propagandistin und einen Vermieter von Wohnmobilen, zudem praktizieren in Alsweiler zwei Ärzte und ein Zahnarzt. Es gibt noch drei hauptberufliche und etliche nebenberufliche Landwirte. Der letzte Schäfer im Ort, es »Bennje«, ist 2003 verstorben. 

Am 28. Juli 2004 gibt es in Alsweiler noch 95 Kühe, 27 Pferde, 32 Schweine, acht Ziegen und 60 Schafe. Die Zahl der amtlich zugelassenen Kraftfahrzeuge wird nicht exakt erfasst und ist auf rund 1.800 inclusive Anhänger zu schätzen. 

2005   Die Pfarrgemeinde St. Mauritius feiert ihr 200-jähriges Bestehen. Bald danach werden Pläne für eine Zusammenlegung der Pfarrei Alsweiler mit Marpingen und Urexweiler bekannt.
 

2008   Im Oktober 2008 endet in Alsweiler der Schulbetrieb. Das Schulgebäude auf der Lehn soll zu einem Kinderhaus umgebaut werden. Zum 31. Dezember 2008 hat Alsweiler noch 2.191 Einwohner.

2012   Das »Hiwwelhaus«, das Schmuckstück von Alsweiler, wird 300 Jahre alt. Aus diesem Grund erscheint eine 100-seitige Broschüre zur Geschichte und zum Werdegang des Hauses – »Unsere Tür in die Geschichte – 300 Jahre Hiwwelhaus Alsweiler«. Darüber hinaus feiert man das 300-jährige Bestehen des Gebäudes mit einem zünftigen Fest, wo alte Handwerke für einen Tag wiederbelebt werden. Mehrere Tausend Besucher finden sich ein.

 

 

 

Unverzichtbar und fundamental für Informationen über die Geschichte Alsweilers ist das Familienbuch Alsweiler von Robert Groß, ein Standardwerk, das auch die Orts-, Pfarr- und Schulgeschichte darstellt. Gleiches gilt für die verschiedenen Arbeiten von Raimund Kirz, die ebenfalls stark in diese Übersicht eingeflossen sind. 

Literatur und Quellen: Robert Groß, Familienbuch Alsweiler, Alsweiler 1992; Ders., Im guten Glauben, Die Alsweiler Opfer der Weltkriege, Alsweiler 1999; Raimund Kirz (Hg), Namen erzählen, Zusammenstellung von Alsweiler Tauf- und Familiennamen aus fünf Jahrhunderten, Alsweiler 1976; Ders.,  Aus der Geschichte des Dorfes Alsweiler, in verschiedenen Vereinspublikationen und auf der  Internet-Seite des Dorfes (alsweiler.de); Ders., Heimatkundliche Notizen zur Geschichte der Pfarrgemeinde sowie zur Einführung der Elektrizität und der Wasserversorgung; in mehreren Folgen, Alsweiler 1984;  Peter K. Weber, Frühgeschichtliche Zeugnisse – Alsweiler und angrenzende Umgebung, in: Heimatkundliche Beiträge 1, Alsweiler 1980; Michael Glaser, Archäologische Funde und Fundstellen in der Gemeinde Marpingen, Marpingen 1998; Römischer Vicus Wareswald, Saarbrücken 2002, darin u.a. Beiträge von Peter Henz, Edith Jäckel, Eric Glansdorp; die Angaben zur keltischen Siedlung im Wareswald wurden bei einer öffentlichen Veranstaltung  des Vereins für Heimatkunde am 31. Januar 2004 im Hiwwelhaus Alsweiler gemacht.; Martina Pitz, Siedlungsnamen auf –villare (-weiler, -villlers) zwischen Mosel, Hunsrück und Vogesen, Saarbrücken 1997; Edmund Groß, Versunkene Welten, Alsweiler gestern und vorgestern, Alsweiler 2004; Ders., Chronik des Hiwwelhauses in Alsweiler, Alsweiler 2000; Johannes Naumann, Das verlorene Archiv der Abtei Tholey, Tholey 2004; Tholey 634 – 1984, wissenschaftliche Vorträge, gehalten aus Anlass des 1350. Jubiläums von Ort und Abtei Tholey, Tholey 1985,  Sonderdruck aus Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, Band 96, 1985, darin besonders Hans-Walter Herrmann über das Testament des Adalgisel Grimo und die Tholeyer Zeittafel auf  S. 364; Franz-Josef Reichert, Die Baugeschichte der Abtei Tholey, Saarbrücken 1961; P. Ambrosius Stock OSB, Die Abtei St. Mauritius zu Tholey in Geschichte und Gegenwart, in: Tholey im Wandel der Zeiten, Tholey 1981; ders. in: 1261/1961 – Abteikirche und Pfarrkirche St. Mauritius Tholey Saar, Tholey 1960; Johann Engel, Tholey, wie es war und ist, Tholey 1973; Josef Even, Sieben Schaumburger Steuer- und Abgabenlisten von 1519 bis 1591, St. Wendel 1975; Johannes Schmitt, „Der Sklaverei ledig und der französischen Freiheiten teilhaftig“ – Zur Reunionsbewegung im Oberamt Schaumburg 1792/93, in: Gerhard Heckmann, Michael Landau (Hg), Friede den Hütten und Krieg den Tyrannen und Despoten, Beiträge zur Geschichte der Französischen Revolution und ihrer Folgen im Raum St. Wendel, St. Wendel 1989; Wilhelm Bungert, Heimatbuch Marpingen, Marpingen 1980; David Blackbourn, Wenn ihr sie wieder seht, fragt wer sie sei, Marienerscheinungen in Marpingen – Aufstieg und Niedergang des deutschen Lourdes, Reinbek bei Hamburg 1997; Christina Schirra, Politik in einer Gemeinde - Eine Untersuchung am Beispiel von Marpingen, Dissertation der Universität Saarbrücken, Frankfurt a. M. 1989; Landrat Dr. Waldemar Marner, Der Landkreis St. Wendel in der Gebiets- und Verwaltungsreform, in: Heimatbuch des Landkreises St. Wendel 1973/74, S. 159ff.; Der Landkreis St. Wendel , Vergangenheit und Gegenwart, St. Wendel 1968; St. Wendel 650 Jahre Stadt, hrsgg. von der Stadt St. Wendel 1982; Max Müller, Die Geschichte der Stadt St. Wendel, St. Wendel 1927; Kurt Hoppstädter u. Hans-Walter Herrmann (Hg), Geschichtliche Landeskunde des Saarlandes, Bd. I u. II, Saarbrücken 1960 u. 1977; Hans-Walter Herrmann und Georg Wilhelm Sante, Geschichte des Saarlandes, Würzburg 1972; Dieter Staerk, Die Wüstungen des Saarlandes, Saarbrücken 1976; Richard van Dülmen, Reinhard Klimmt (Hg), Saarländische Geschichte – eine Anthologie, St. Ingbert 1995; Klaus Brill, Peter Franz, Saarland-Porträt, Luxemburg 1986;  Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend, Saarbrücken, laufende Jahrgänge; Heimatbuch des Landkreises St. Wendel, laufende Jahrgänge; Jacques Aldebert, Johan Bender und andere, Das Europäische Geschichtsbuch, Stuttgart 1998. 

Ausgewertet wurden außerdem Akten des früheren Tholeyer Notariats aus dem 18. Jahrhundert sowie die Zeitungsberichte über das Geschehen in Alsweiler von Edmund Theobald aus den Jahren 1953 bis 1975, die dieser dankenswerterweise dem Verein für Heimatkunde Alsweiler übergeben hat. Auch zahlreiche Vereinspublikationen auf der Website www.alsweiler.de, Stand Sommer 2004, sowie in Broschüren, die aus Anlass von Jubiläen oder Festen in den vergangenen Jahrzehnten erschienen, dienten als Unterlagen. Der Autor dankt den Vereinen und anderen Personen  für weitere Auskünfte, ferner dem Ordnungsamt, Abteilung Statistik,  und dem Bauamt der Gemeinde Marpingen sowie der Kfz-Abteilung des Landratsamtes St. Wendel und dem statistischen Landesamt für die freundliche Bereitstellung detaillierten statistischen Materials. Besonderer Dank gilt auch Herrn Johannes Naumann für die Überlassung von Archivalien aus Saarbrücken und Nancy.